SPRÜCHEVERSUM

Liebesgedichte.

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LiebesgedichteNº 106

Könnt' ich Dein vergessen, Meines Lebens Licht? Müßte von den Freuden Der Erinn'rung scheiden, Jeden Klang vermeiden, Der zum Herzen spricht! Könnt' ich Dein vergessen, Meines Lebens Licht? Alle Lichtgestalten, Die sich mir entfalten, Müßten bleich erkalten Wie ein Traumgesicht. Könnt' ich Dein vergessen, Meines Lebens Licht? Müßt' von Lied und Tönen, Ach, von allem Schönen Aug' und Ohr entwöhnen, Flieh'n der Schöpfung Licht. Könnt' ich Dein vergessen, Meines Lebens Licht? - Schweigend, ohne Klagen Kann ich Leid ertragen, Sterben wohl, entsagen, Doch - vergessen nicht!

Lang · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 107

Der graue Tag Legt seine Wolken an meine Brust, Mein Herz steht leer. Mein Herz ist dunkel und wolkenschwer, Ich habe so lange nicht mehr geküsst, Ich küsse so gerne. Lippen und Seele warten auf dich, Du Herz der Ferne.

Mittel · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 108

Ja, ich gestehe mir es mit Entzücken, Ich bin dir hingegeben: Doch, süßer Freund, bewahr' es wie dein Leben. Der Lieb' ist nichts so eigen, Als sich mit holder Schüchternheit umschleiern. Hat sie schon nicht zu sorgen, Und dürfte kühn sich zeigen, Will sie geheim doch ihre Weihe feiern Und bricht der helle Morgen Auf günst'ge Schatten ein, die sie verborgen So wird verstört, mit Beben, Auch ihrer Träume zartester entschweben. Ich scheue nicht das Necken Gespitzter Zungen, noch des Pöbels Tadel. Das wollt' ich muthig leiden Uns aller Welt entdecken, Stolz auf die Wahl und meines Herzens Adel. Allein von diesen Freuden Beneid' ich Andern selber das Beneiden, Kein fremder Sinn soll streben, Zur Ahndung unsers Glücks sich zu erheben. Wohl muß es bitter schmerzen, Erlischt, in des Vergeßens Strom getauchet, Der Liebe schönes Glühen. Doch wenn aus stillem Herzen Du von den Lippen erst das Wort gehauchet, Kannst du's zurück nicht ziehen: Drum werde nimmer dem Verrath verziehen; Vergeßen sei vergeben, Wenn neue Wünsche seinen Schlaf beleben. Es drängen sich die Seelen Der Liebenden im Blick an's Licht der Sonne, Wie hinter Schloß und Riegel; Sie innigst zu vermählen, Erschließet erst der Kuß das Thor der Wonne, Und löset ihre Flügel. Jetzt aber sei dir dieser Kuß als Siegel Des Schweigens mitgegeben, Das keine Macht vermöge wegzuheben.

Lang · Herzlich
LiebesgedichteNº 109

Du bist die Sonne, die nicht untergeht; Du bist der Mond, der stets am Himmel steht; Du bist der Stern, der, wenn die andern dunkeln, Noch überstrahlt den Tag mit seinem Funkeln; Du bist das sonnenlose Morgenrot; Ein heitrer Tag, den keine Nacht bedroht; Der Freud und Hoffnung Widerschein auf Erden - Das bist du mir, was kannst du mehr noch werden?

Lang · Herzlich
LiebesgedichteNº 110

Es sang vor langen Jahren Wohl auch die Nachtigall, Das war wohl süßer Schall, Da wir zusammen waren. Ich sing und kann nicht weinen Und spinne so allein Den Faden klar und rein Solang der Mond wird scheinen. Das wir zusammen waren Da sang die Nachtigall, Nun mahnet mir ihr Schall, Dass du von mir gefahren. So oft der Mond mag scheinen, Denk ich wohl dein allein, Mein Herz ist klar und rein, Gott wolle uns vereinen. Seit du von mir gefahren, Singt stets die Nachtigall, Ich denk bei ihrem Schall, Wie wir zusammen waren. Gott wolle uns vereinen, Hier spinn ich so allein, Der Mond scheint klar und rein, Ich sing und möchte weinen!

Lang · Nachdenklich
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LiebesgedichteNº 111

Einmal, Einmal liebt man nur; Zweimal lieben ist vergebens. Einmal, Einmal liebt man nur: Aber dann – Triumph des Lebens! Ach! ein Himmel, voll des Gebens, Voll des Nehmens folgt dem Schwur! Einmal, Einmal liebt man nur; Zweimal lieben ist vergebens!

Mittel · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 112

Leise Lieder sing ich dir bei Nacht, Lieder, die kein sterblich Ohr vernimmt, noch ein Stern, der etwa spähend wacht, noch der Mond, der still im Äther schwimmt; denen niemand als das eigne Herz, das sie träumt, in tiefer Wehmut lauscht, und an denen niemand als der Schmerz, der sie zeugt, sich kummervoll berauscht. Leise Lieder sing ich dir bei Nacht, dir, in deren Aug mein Sinn versank, und aus dessen tiefem, dunklen Schacht meine Seele ewige Sehnsucht trank.

Lang · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 113

Der Blüten viel, zum Strauß gebunden, Gepflückt vom gold'nen Baum des Lebens – Wenn eine nur dein Herz gefunden, Dann war mein Streben nicht vergebens.

Mittel · Herzlich
LiebesgedichteNº 114

Oh dieser Abend, welch ein Abend! Es fließt der Strom so sanft und rein. Oh diese Stunden, was für Stunden! Ich darf mit ihm im selben Boote sein. Oh, ich verberge mein Erröten, Nicht soll man schelten mich gemein. Oh töricht Herz, warum willst du nicht brechen? Ich weiß, ich fand den Liebsten mein. Oh, auf dem Berge stehen Bäume, Mit vielen Zweigen grün und dicht! Oh, wie ich liebe meinen Liebsten! Und doch, der Liebste weiß es nicht.

— Anonym
Lang · Herzlich
LiebesgedichteNº 115

Sternengold entreiß ich dem nächtlichen All, schmiede draus ein leuchtendes Diadem, und um deine züchtige Stirne flecht ich mit zitternder Hand es, Geliebte! Sonnengold entwend ich dem Tagesgestirn, winde draus einen siebenfach strahlenden Ring, und an deine Hand, die reine, füg ich in sprachlosem Glück ihn, Geliebte! Blütenduft erhasch ich und Mondenglanz, webe draus einen schimmernden Schleier dir, und um deine Gestalt, die keusche, lege ich zärtlich und leis ihn, Geliebte! Was mir etwa entfiel beim wonnigen Werk, raff ich auf und spinne mir Saiten draus, süße, selige Weisen tönend - alle für dich nur, für dich nur, Geliebte!

Lang · Herzlich
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LiebesgedichteNº 116

Ich weiß, dass deine Liebe Verkäuflich ist; Ich weiß, dass dir der Reichste Der Liebste ist; Ich weiß, dass diese schäumenden Ekstasen Erheuchelt sind, Dass sie nur künstlich deinen Leib durchrasen, Mein bleiches Kind; Ich weiß, dass dieses traumverlorne Flüstern, Dass dieser liebesirre, heiße Blick Ein wohlgeübtes und ein oft erprobtes Komödienstück; Und dennoch fühl' ich mich an deinem Busen Beglückt und reich; Ob Wahrheit oder Lüge diese Liebe, Mir ist es gleich!

Lang · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 117

›Ich liebe‹ ist ein Gotteswort ›Ich liebe‹ dringt ins Herz hinein. ›Ich liebe‹ will an jedem Ort gegeben, nur gegeben sein. ›Ich liebe‹ kam vom Himmel einst zu dir, zu mir, zu aller Welt. Doch ist es nicht das, was du meinst und was als Liebe sich verstellt. ›Ich liebe‹ ist nicht ein Begehr; ›Ich liebe‹ dient und opfert nur, und fällt dir eine Liebe schwer, so ist sie himmlischer Natur. Die Erde lebt seit Anbeginn von dem, was ihr der Himmel gibt; er aber lebt und gibt sich hin, denn daß er lebt, heißt, daß er liebt.

Lang · Feierlich
LiebesgedichteNº 118

Süß Erkennen erster Liebe, Abschied von der weiten Welt, Aus dem Felsen schlägt sie trübe Einen Funken, der erhellt.

Mittel · Herzlich
LiebesgedichteNº 119

Leiser nannt' ich deinen Nahmen; Und mein Auge warb um dich: Liebe Chloe! näher kamen Unser beyder Herzen sich. Und du nanntest meinen Nahmen; Hoffen ließ dein Auge mich: Liebe Chloe! näher kamen Unser beyder Lippen sich. O, es war ein süßes Neigen; Bis wir endlich, Mund an Mund, Fest uns hielten, ohne Zeugen: Und geschlossen war der Bund.

Lang · Herzlich
LiebesgedichteNº 120

Wenn dir's in Kopf und Herzen schwirrt, was willst du Bessres haben! Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben.

Mittel · Heiter
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LiebesgedichteNº 121

Am süßen lila Kleefeld vorbei, Zu den Tannen, den zwei, Mit der Bank inmitten, Dort zieht wie ein weicher Flötenlaut Der sanfte Fjord, Blau im Schilfgrün ausgeschnitten. Gib mir die Hand. Die beiden Tannen stehen so still, Ich will dir sagen, Was die Stille rings verschweigen will. Gib mir die Hand ... Gib mir in deiner Hand dein Herz.

Lang · Herzlich
LiebesgedichteNº 122

Wohl lag ich einst in Gram und Schmerz, Da weint' ich Nacht und Tag; Nun wein' ich wieder, weil mein Herz Sein Glück nicht fassen mag. Mir ist's als trüg' ich in der Brust Das ganze Himmelreich - O höchstes Leid, o höchste Lust, Wie seid ihr euch so gleich!

Lang · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 123

Verliebte brauchen keine Zeugen, Sie sind sich selbst genug allein! Auch wenn sie, satt vom Reden, schweigen, Und wenn sie schweigen, Ist doch ihr Wunsch, allein zu sein, Ihr Wunsch, allein zu sein.

Mittel · Herzlich
LiebesgedichteNº 124

Durch Hoffen und durch Warten wird Der Sinn gemein. Du Holde! Frag nicht lang! Will dich befrein. Auf junge Blüten fällt Nacht: nicht so wunderbar, Wie gegen deinen Hals Dämmert dein Haar. Dein Auge fragt: Mein Wort Klang fremd: es klang doch rein. Oh, ich will ewig fremd Deinem Bangen sein. Das Müssen und das Leiden schenkt Kein Abend so klar. Demütig reicht die Freude Den Becher dar.

Lang · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 125

Die Liebe sprach: In der Geliebten Blicke Mußt du den Himmel suchen, nicht die Erde, Daß sich die beßre Kraft daran erquicke, Und dir das Sternbild nicht zum Irrlicht werde. Die Liebe sprach: In der Geliebten Auge Mußt du das Licht dir suchen, nicht das Feuer, Daß dir's zur Lamp' in dunkler Klause tauge, Nicht dir verzehre deines Lebens Scheuer. Die Liebe sprach: In der Geliebten Wonne Mußt du die Flügel suchen, nicht die Fesseln, Daß sie dich aufwärts tragen zu der Sonne, Nicht niederziehn zu Rosen und zu Nesseln.

Lang · Nachdenklich