SPRÜCHEVERSUM

Liebesgedichte.

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LiebesgedichteNº 064

Es schlug mein Herz. Geschwind, zu Pferde! Und fort, wild wie ein Held zur Schlacht. Der Abend wiegte schon die Erde, Und an den Bergen hing die Nacht. Schon stund im Nebelkleid die Eiche Wie ein getürmter Riese da, Wo Finsternis aus dem Gesträuche Mit hundert schwarzen Augen sah. Der Mond von einem Wolkenhügel Sah schläfrig aus dem Duft hervor, Die Winde schwangen leise Flügel, Umsausten schauerlich mein Ohr. Die Nacht schuf tausend Ungeheuer, Doch tausendfacher war mein Mut, Mein Geist war ein verzehrend Feuer, Mein ganzes Herz zerfloß in Glut. Ich sah dich, und die milde Freude Floß aus dem süßen Blick auf mich. Ganz war mein Herz an deiner Seite, Und jeder Atemzug für dich. Ein rosenfarbnes Frühlingswetter Lag auf dem lieblichen Gesicht Und Zärtlichkeit für mich, ihr Götter, Ich hofft’ es, ich verdient’ es nicht. Der Abschied, wie bedrängt, wie trübe! Aus deinen Blicken sprach dein Herz. In deinen Küssen welche Liebe, O welche Wonne, welcher Schmerz! Du gingst, ich stund und sah zur Erden Und sah dir nach mit nassem Blick. Und doch, welch Glück, geliebt zu werden, Und lieben, Götter, welch ein Glück!

Lang · Herzlich
LiebesgedichteNº 065

Möcht' ein Lied dem Liebsten singen, dass er tief ins Herz mir sieht; doch es will mir nicht gelingen, und mein Sinn ins Weite flieht. Ob es mir an Tönen fehle? ob zu Ihm mein Sinn gleich flieht? Aber meine ganze Seele ist ein einzig Sehnsuchtslied.

Lang · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 066

Freudvoll Und leidvoll, Gedankenvoll sein, Hangen Und bangen in schwebender Pein, Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt - Glücklich allein Ist die Seele, die liebt.

Mittel · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 067

Alles kann Liebe: zürnen und zagen, leiden und wagen, demütig werben, töten, verderben, alles kann Liebe. Alles kann Liebe: lachend entbehren, weinend gewähren, heißes Verlangen nähren in bangen, in einsamen Tagen – alles kann Liebe – nur nicht entsagen!

Mittel · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 068

Die Weidenröschen bedecken Die Blöße mit Purpurpracht, Durch rote Tannenstämme Die goldene Sonne lacht. Der Wind treibt goldene Wellen Über den blauen See, Ein großer goldener Vogel Schwebt langsam auf zur Höh’. Wir folgen ihm mit den Augen Und sehen uns lächelnd an, So hoch wie unsere Liebe Er niemals fliegen kann.

Lang · Herzlich
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LiebesgedichteNº 069

In deiner Seele klarem Leben Da ruht mein wahres Glück allein, Die Ferne kann mir Freude geben, Mit Dir nur kann ich selig sein. In Deines Geistes raschen Flügen Trägt leicht das schwere Leben sich – Das Andre kann mir wohl genügen – Du nur allein befriedigst mich! Aus Deiner Liebe tiefen Quellen Strömt eine Kraft, die mich erhebt, Auf deren lichtumsäumten Wellen Mein Lebensschiff vorüberschwebt !

Lang · Herzlich
LiebesgedichteNº 070

Du bist die Rose meiner Liebe, Die Ros’ auf meines Herzens Flur Es waren andre Blumentriebe Vorahnung meiner Rose nur. Es kam der Flor, dass er zerstiebe, Verschwinden musste jede Spur, Dass Raum für meine Rose bliebe, Die mir zu bleiben ewig schwur.

Lang · Herzlich
LiebesgedichteNº 071

Färbte nicht mein kleines Lied Höher dir die Wangen? Schuf dir nicht mein kleines Lied Heimlich Herzverlangen? Drücktest du auf jeden Reim Nicht die lieben Lippen, Wie die Bienen süßen Seim Von den Blumen nippen? Alles dieses träumt' ich mir, Als ich es beschrieben, Oder ist dir nur Papier, Nichts als das, mein Lieben? Und durch alle Felder fegt's, Hui, der Wind, der rasche? Oder auf dem Herde legt's Küchenglut in Asche?

Lang · Heiter
LiebesgedichteNº 072

Leise hör ich dich rufen in jedem Flüstern und Wehn. Auf lauter weißen Stufen, die meine Wünsche sich schufen, hör ich dein Zu-mir-gehn. Jetzt weißt du von dem Gefährten, und dass er dich liebt ... das macht: Es blühen in seinen Gärten die lang vom Licht gekehrten Blüten, blühn über Nacht ...

Lang · Herzlich
LiebesgedichteNº 073

Wir gehen am Meer im tiefen Sand, Die Schritte schwer und Hand in Hand. Das Meer geht ungeheuer mit, Wir werden kleiner mit jedem Schritt. Wir werden endlich winzig klein Und treten in eine Muschel ein. Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn, Und werden stets schöner, wie die Perlen tun.

Lang · Herzlich
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LiebesgedichteNº 074

Die Liebe gleicht der Welle, Die plätschernd sich erhebt, Wer weiß, woher sie flutet, Wer weiß, wohin sie schwebt; Wer weiß, ob sie uns schaukelnd Nicht sanft zum Hafen bringt, Wer weiß, ob sie als Woge Nicht unser Schiff verschlingt.

Mittel · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 075

Und klingst du immer Liebe wieder? Und immer nur denselben Ton? Und weißt du keine andern Lieder Als Gottes Sohn, von Gottes Sohn? Muß er dein Licht, dein Glanz, dein Schein, Muß er dein Alles, Alles sein? Ja, er allein: in diesem Namen, In diesem allerschönsten Ton, Klingt aller Himmel Himmel Amen, Das Heilig! Heilig! klingt vom Sohn, Und Cherubim und Seraphim Anbetend knien sie hin vor ihm. Ja, er allein: soweit die Winde Das grüne Erdenrund umwehn, Muß nun im Klang vom hohen Kinde, Das Mensch ward, aller Jubel gehn: Es klinget kein so süßer Ton Als von dem Sohn und aus dem Sohn. Nein, nimmer lernt es andre Lieder Das arme, sündenkranke Herz, Nein, nimmer klingt es andres wieder Als jener Sehnsucht süßen Schmerz Vom Menschensohn, vom Gottessohn, Dies bleibt das Lied, der Klang, der Ton. Du bleibst das Lied, du liebste Liebe, Du bleibst die Sehnsucht, schönstes Bild, Du Licht der Lichter, Trieb der Triebe, Woraus der Himmel Wonne quillt: Mein Herz klingt deine Herrlichkeit Von nun an bis in Ewigkeit.

Lang · Feierlich
LiebesgedichteNº 076

Ich liebe dich, du Seele, die da irrt im Tal des Lebens nach dem rechten Glücke, ich liebe dich, die manch ein Wahn verwirrt, der manch ein Traum zerbrach in Staub und Stücke. Ich liebe deine armen wunden Schwingen, die ungestoßen in mir möchten wohnen; ich möchte dich mit Güte ganz durchdringen; ich möchte dich in allen Tiefen schonen.

Lang · Herzlich
LiebesgedichteNº 077

Es ist ein Glück zu wissen, daß du bist, Von dir zu träumen hohe Wonne ist, Nach dir sich sehnen macht zum Traum die Zeit, Bei dir zu sein, ist ganze Seligkeit.

Mittel · Herzlich
LiebesgedichteNº 078

Am Himmel steht ein schöner Stern, Der heißt der Stern der Liebe, Man sucht ihn auf, man sieht ihn gern, Und ist’s am Himmel trübe, Dann missen wir sein schönes Licht, Denn durch die Wolken scheint er nicht. Wenn ich zu meinem Mädchen geh’ Im Kühlen und im Dunkeln, Und dann den Stern der Liebe seh’ Am dunkeln Himmel funkeln, Dann fühl’ ich Liebe, dann ruf’ ich: Komm’ Mädchen, komm’ und küsse mich! Dann kommt’s, dann fühlt das Mädchen sich, Als wenn’s mich küssen müßte; So zärtlich küßt’s, als wenn es mich Nur mit der Seele küßte; Dann wird’s vertraulich, nennt mich du, Und alle Sternlein sehen zu!

Lang · Heiter
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LiebesgedichteNº 079

Du bist mein Land, ich deine Flut, die sehnend dich ummeeret; Du bist der Strand, dazu mein Blut ohn’ Ende wiederkehret. An dich geschmiegt, mein Spiegel wiegt das Licht der tausend Sterne; und leise rollt dein Muschelgold in meine Meergrundferne.

Mittel · Herzlich
LiebesgedichteNº 080

Hinaus ins Weite! Frühling kommt bald. Durch Schneegebreite Zum Fichtenwald! An stürzenden Bächen Schwindelnde Bahn, Durch sausende Wipfel Zum Fels, zum Gipfel Hinauf, hinan! Sauge, durstiger Wind, nur, sauge Mir die stürzende Träne vom Auge, Leg' an die brennende Stirne dich an! Ach, nach dem Trauern, Dem dumpfen Schmerz Wie löst dies Schauern Selig mein Herz! O rastlos Drängen, Willst du gewaltsam Die Brust zersprengen? Ich kenne dich - Liebe, Liebe, du kommst unaufhaltsam Noch einmal, Herrliche, über mich!

Lang · Nachdenklich
LiebesgedichteNº 081

Du bist mein Stern, in jeder Nacht Hat mich dein Bild zur Ruh gebracht; Bist meine Sonne, jeden Tag Durch dich mir alles offen lag. Du bist mein Stern, der Blick nach dir Erhebt zu Gott die Seele mir; Bist meine Sonn', in deinem Schein Will jeder gute Keim gedeihn.

Lang · Herzlich
LiebesgedichteNº 082

Ein Händeineinanderlegen, Ein langer Kuss auf kühlen Mund, Und dann: auf schimmerweißen Wegen Durchwandern wir den Wiesengrund. Durch leisen, weißen Blütenregen Schickt uns der Tag den ersten Kuss, – Mir ist: Wir wandeln Gott entgegen, Der durchs Gebreite kommen muss.

Mittel · Herzlich
LiebesgedichteNº 083

Früher durft ich nicht auf Erden Nahen dir durch Zeit und Raum, Durfte weiter dir nichts werden Als dein Sehnen und dein Traum. Freundlich tret ich jetzt entgegen Dir als Wahrheit sonnenrein, Will dein Frieden, Heil und Segen, Will dein Trost und Reichtum sein. Meine Augen will ich spenden Dir als Morgenschatz sogleich, Und die Welt an allen Enden Wird durch sie dein Himmelreich. Und ich selbst bin dir Gewährung, Angeschmiegt an deine Brust; Alles wird dir, auch Entbehrung Wird Genuß und Wonnelust.

Lang · Herzlich
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LiebesgedichteNº 084

Ich denk' an dich, und meine Seele ruht In dem Gedanken aus an dich, Dem Schiffer gleich, der aus bewegter Flut Zum stillen Hafen rettet sich. Als wie am Tag ein wilder Vogel fliegt, Waldaus, waldein, nach seiner Lust, Doch bei der Nacht ins weiche Nest sich schmiegt, So schmieg' ich mich an deine Brust. Ich ruh' in dir, in deiner Liebe ruht Der Drang der Seele wild und scheu; Unsicher ist des Lebensmeeres Flut, Und du allein bist ewig treu.

Lang · Herzlich