Wenn ich ein Vöglein wär Und auch zwei Flügel hätt', Flög ich zu dir; Weil's aber nicht kann sein, Bleib ich allhier. Bin ich gleich weit von dir, Bin doch im Schlaf bei dir, Und red' mit dir: Wenn ich erwachen tu, Bin ich allein. Es vergeht keine Stund' in der Nacht, Da mein Herze nicht erwacht, Und an dich denkt, Daß du mir viel tausendmal Dein Herz geschenkt.
Liebesgedichte.
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In meinem Herzen kreisen alle Gedanken um dich. Du bist mein Herz, mein Gewissen, bist mein Gedanke, mein Geist, Du bist der Rhythmus des Atmens, Du bist der Herzknoten mir.
Gepriesen sei der Tag, der Mond, das Jahr, die Jahr- und Tageszeit, der Augenblick, das schöne Land, der Ort, da mein Geschick sich unterwarf ein schönes Augenpaar. Gepriesen sei die erste süße Qual der Strahlen ihres Blicks, die mich bezwangen, die Pfeile Amors, die mein Herz durchdrangen, die Herzenswunden tief und ohne Zahl. Gepriesen sei’n die Stimmen, die im Leeren verhallten, nach ihr rufend, dort und hier, das Seufzen, Weinen, Bitten und Begehren, gepriesen seien Feder und Papier, die ihren Ruhm verkünden und die schweren Gedanken, die ihr nah sind, einzig ihr.
Ach seht wie im Winde die Linde nun zittert, ihr Laub vor dem Walde zu Balde verwittert. Und klag auf der Heide mit Leide man übet so hat mir die Minne die Sinne betrübet. Ach, sehnende Leiden bescheiden mit Sorgen die muß ich ertragen ohn Klagen verborgen. Die stets mir verholen gestohlen den Schlummer die läßt mich vergehen in Wehen und Kummer. Oh gnädig erscheine du Reine mir Armen und laß Dich die Schmerzen von Herzen erbarmen. Den Geist mir entbinde geschwinde vom Leide aus wogendem Feuer dein Steuer mich scheide.
Ist es denn Unrecht, wenn ich für euch erglühte? Und Schmach, wenn ich in Eures Leibes Pracht, Die Samt und Seide neidisch überdacht, Gedankenvoll mit meinen Wünschen wüte? Verstattet diesem hitzigen Geblüte, Daß es an Euer Liebespförtchen poch! Dann seufzt ihr wohl: "Wie, werter Freund, schon müde? Nur einmal noch!"
Hätt ich geahnt, als ich zuerst Dich schaute daß mich die warme Sonne Deiner Blicke verjüngen würde und mit dem Geschicke feuriger Glut im Alter noch betraute. Ich wäre, wie der Hirsch, der Luchs, der Panther entflohen jeder schnöden Schicksalstücke und wäre hingeeilt zu meinem Glücke. Längst wären wir begegnet dann einander! Doch warum gräm ich mich, wo ich nun finde in Deinen Engelsaugen meinen Frieden, all meine Ruhe und mein ganzes Heil? Vielleicht wär damals mir dies Angebinde noch nicht geworden, das mir nun beschieden, seit Deiner Tugend Fittich ward mein Teil.
Liebe schont der Götter nicht, sie kann alles überwinden, sie kann alle Herzen binden, durch der Augen klahres Licht. Selbst des Phebus Hertze bricht, seine Klarheit muß verschwinden, er kann keine Ruhe finden, weil der Pfeil noch in ihm sticht. Jupiter ist selbst gebunden, Hercules ist überwunden durch die bittersüsse Pein; wie dan können doch die Herzen bloßer Menschen dieser Schmerzen gantz und gahr entübrigt seyn?
Sonett 116 Nichts kann den Bund zwei treuer Herzen hindern, Die wahrhaft gleichgestimmt. Lieb' ist nicht Liebe, Die Trennung oder Wechsel könnte mindern, Die nicht unwandelbar im Wandel bliebe. O nein! Sie ist ein ewig festes Ziel, Das unerschüttert bleibt in Sturm und Wogen, Ein Stern für jeder irren Barke Kiel, – Kein Höhenmaß hat seinen Werth erwogen. Lieb' ist kein Narr der Zeit, ob Rosenmunde Und Wangen auch verblühn im Lauf der Zeit – Sie aber wechselt nicht mit Tag und Stunde, Ihr Ziel ist endlos, wie die Ewigkeit. Wenn dies bei mir als Irrthum sich ergiebt, So schrieb ich nie, hat nie ein Mann geliebt.
Die Liebe Ohne Liebe Lebe, wer da kann! Wenn er auch ein Mensch schon bliebe, Bleibt er doch kein Mann. Süße Liebe, Mach mein Leben süß! Stille nie die regen Triebe Sonder Hindernis. Schmachten lassen Sei der Schönen Pflicht! Nur uns ewig schmachten lassen, Dieses sei sie nicht.
Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding! Sorgenlos, wie Kinder, Führt sie uns durchs Leben. Unser ganzes Leben flieht Mit ihr geschwinder, Als uns ohne Liebe Sonst ein Tag verging! Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding! Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding! Mut gibt sie zur Arbeit, Hilft sie uns verrichten, Eine Blumenkette Werden unsre Pflichten, Und am Thron der Liebe Hängt der Kette Ring. Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding! Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding! Unsre Seele hebet Sich auf ihrem Flügel, Unsre Seele schwebet, Treu von ihr belebet, Über Tal und Hügel, Gleich dem Schmetterling. Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding!
Tochter der Natur, Holde Liebe! Uns vergnügen nur Deine Triebe. Gunst und Gegen-Gunst Geben allen Die beglückte Kunst Zu gefallen
Liebeseifer Ach Liebste laß uns eilen! Noch ist es Zeit Es schadet das Verweilen Uns beiderseit. Der edlen Schönheit Gaben Fliehn Fuß für Fuß Daß alles, was wir haben, Uns schwinden muß. Der Wangen Ziehr verbleichet Das Haar wird greiß Der Augen Feuer weichet Die Brunst wird Eiß. Das Mündlein von Korallen Wird ungestalt, Die Hände, sie verfallen Und du wirst alt. Drum laß und jetzt genießen Der Jugend Frucht Eh' als wir folgen müssen Der Jahre Flucht. Wo du dich selber liebest, So liebe mich; Gib mir – das, wann du gibest, Verlier auch ich.
Wo sind die Stunden Wo sind die Stunden Der süßen Zeit, Da ich zuerst empfunden, Wie deine Lieblichkeit Mich dir verbunden? Sie sind verrauscht, es bleibet doch dabei, Daß alle Lust vergänglich sei. Ich schwamm in Freude. Der Liebe Hand Spann mir ein Kleid von Seide; Das Blatt hat sich gewandt, Ich geh im Leide. Ich wein jetzund, daß Lieb und Sonnenschein Stets voller Angst und Wolken sein.
Küß mich noch einmal, küß mich wieder, küsse Mich ohne Ende. Diesen will ich schmecken, In dem will ich an deiner Glut erschrecken, Und vier für einen will ich, Überflüsse Will ich dir wiedergeben. Warte, zehn Noch glühendere, bist du nun zufrieden? O daß wir also, kaum mehr unterschieden, Glückströmend ineinander übergehn. In jedem wird das Leben doppelt sein. Im Freunde und in sich ist einem jeden Jetzt Raum bereitet. Laß mich Unsinn reden: Ich halt mich ja so mühsam in mir ein Und lebe nur und komme nur zur Freude, Wenn ich, aus mir ausbrechend, mich vergeude.
Heimkehr Wie ich in den Hofraum trete durch das mittlere Tor, drängt sich wiederum das stete blinde Weinen empor. Vor zwei Jahren, langen Jahren, stand ich hier zuletzt. Blumen, die damals Blüte waren, duften und blühen auch jetzt. Und die Halle mit dem Dach, grün und dunkelbraun, und das Fenster von meinem Gemach und der Bambuszaun, alles nimmt sich wie damals aus, atmet die gleiche Ruh. Aber am Eingang zum inneren Haus fehlt nun etwas: du.
Unter der Linden, an der Heide, da unser zweier Bette was, da möget ihr finden hold sie beide gebrochen Blumen so wie Gras. Vor dem Walde in einem Tal tandaradei! lieblich sang die Nachtigall. Ich kam gegangen zu der Aue, da schon mein Trauter kommen hin. Da ward ich empfangen, hehre Fraue, daß ich noch immer selig bin. Küßt er mich? Wohl tausend Stund. tandaradei! Seht, wie rot mir ist der Mund! Da hat er gemachet mir und sich von Blumen eine Bettestatt. Des wird noch gelachet inniglich, kommt jemand an den selben Pfad. Bei den Rosen er wohl mag tandaradei! merken, wo das Haupt mir lag. Daß er bei mir lag, wüßt es einer, behüte Gott, so schämt ich mich. Was er mit mir pflag - keiner, keiner befinde das, als er und ich, und ein kleines Vogelein: tandaradei! Das mag wohl getreue sein.
Die Unvergleichliche Welch Ideal aus Engelsphantasie Hat der Natur als Muster vorgeschwebet, Als sie die Hüll' um einen Geist gewebet, Den sie herab vom dritten Himmel lieh? O Götterwerk! Mit welcher Harmonie Hier Geist in Leib und Leib in Geist verschwebet! An allem, was hienieden Schönes lebet, Vernahm mein Sinn so reinen Einklang nie. Der, welchem noch der Adel ihrer Mienen, Der Himmel nie in ihrem Aug' erschienen, Entweiht vielleicht mein hohes Lied durch Scherz. Der kannte nie der Liebe Lust und Schmerz, Der nie erfuhr, wie süß ihr Athem fächelt, Wie wundersüß die Lippe spricht und lächelt.
Lieben ohne Maß entflammt, Lieben ist mein einzig Amt; ob sie meine Bitte hört, ob sie meinen Trieb verdammt, ob sie mich in Dornen legt oder in der Gnade Samt; Lieben ohne Maß und Ziel, Lieben ist mein einzig Amt.
Alles, was die Welt uns schenket, Nimmt die Welt, wenn wir vergehn: Liebe nur bleibt ewig stehn, Lieb' ist, die kein Sterben kränket, Liebe bricht durch Grab und Tod, Liebe tritt mit uns vor Gott.
Nachtgang Wir gingen durch die stille milde Nacht, dein Arm in meinem, dein Auge in meinem. Der Mond goß silbernes Licht über dein Angesicht, wie auf Goldgrund ruhte dein schönes Haupt. Und du erschienst mir wie eine Heilige, mild, mild und groß und seelenübervoll, heilig und rein wie die liebe Sonne. Und in die Augen schwoll mir ein warmer Drang, wie Tränenahnung. Fester faßt' ich dich und küßte, küßte dich ganz leise.
Die Schleppe will ich dir tragen, Ich will deinem Wink mich weihn, An Festen und hohen Tagen! Sollst du meine Königin sein! Deiner Launen geheimste und kühnste Gehorsam erfüll ich dir; Doch leid ich in diesem Dienste Keinen andern neben mir. Solang ich dir diene in Ehren, Gehöret dein Lächeln mein; Deinen Hofstaat will ich vermehren; Doch der Erste will ich sein.