SPRÜCHEVERSUM

Theodor Storm.

18 Sprüche
Theodor StormNº 001

Die blauen Tage brechen an, Und ehe sie verfließen, Wir wollen sie, mein wackrer Freund, Genießen, ja genießen!

Mittel · Heiter
Theodor StormNº 002

Es heißt wohl: Vierzig Jahr ein Mann! Doch mit Vierzig fängt die Fünfzig an. Es liegt die frische Morgenzeit im Dunkel unter mir so weit, Dass ich erschrecke, wenn ein Strahl in diese Tiefe fällt einmal. Schon weht ein Lüftchen von der Gruft, das bringt den Herbst-Resedaduft.

Lang · Nachdenklich
Theodor StormNº 003

Du und dein Sohn, Sie sind beide schon alt; Doch blühen noch Rosen, Und das Herz ist nicht kalt.

Mittel · Herzlich
Theodor StormNº 004

Es wird Weihnachten! Mein ganzes Haus riecht schon nach braunem Kuchen- versteht sich nach Mutters Rezept-, und ich sitze sozusagen schon seit Wochen im Scheine des Tannenbaums. Ja, wie ich den Nagel meines Daumens besehe, so ist auch der schon halbwegvergoldet.

Lang · Herzlich
Theodor StormNº 005

Weihnachten – Es war immer mein schönstes Fest.

Kurz · Herzlich
Theodor StormNº 006

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte Ein milder Stern herniederlacht. Vom Tannenwalde steigen Düfte Und hauchen durch die Winterlüfte, Und kerzenhelle wird die Nacht. Mir ist das Herz so froh erschrocken, Das ist die liebe Weihnachtszeit! Ich höre fernher Kirchenglocken Mich lieblich heimatlich verlocken In märchenstille Herrlichkeit. Ein frommer Zauber hält mich wieder, Anbetend, staunend muß ich stehn; Es sinkt auf meine Augenlider Ein goldner Kindertraum hernieder, Ich fühl’s, ein Wunder ist gescheh’n.

Lang · Feierlich
Theodor StormNº 007

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll, der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus. Weihnachten war’s, durch alle Gassen scholl der Kinder Jubel und des Markts Gebraus. Und wie der Menschenstrom mich fortgespült, drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr: „Kauft, lieber Herr!“ Ein magres Händchen hielt feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor. Ich schrak empor, und beim Laternenschein sah ich ein blasses Kinderangesicht; wes Alters und Geschlechts es mochte sein, erkannt ich im Vorübergehen nicht. Nur von dem Treppenstein, darauf es saß, noch immer hört ich, mühsam, wie es schien: „Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn Unterlaß; doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn. Und ich? War’s Ungeschick, war es die Scham, am Weg zu handeln mit dem Bettelkind? Eh’ meine Hand zu meiner Börse kam, verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind. Doch als ich endlich war mit mir allein, erfaßte mich die Angst im Herzen so, als säß’ mein eigen Kind auf jenem Stein und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Lang · Nachdenklich
Theodor StormNº 008

Man muss sein Leben aus dem Holz schnitzen, das man zur Verfügung hat.

Kurz · Nachdenklich
Theodor StormNº 009

Zu Mutters Geburtstag Mit einem Rosenstrauß Du und dein Sohn, Sie sind beide schon alt; Doch blühen noch Rosen, Und das Herz ist nicht kalt.

Mittel · Herzlich
Theodor StormNº 010

Darum liebe ich die Kinder, weil sie die Welt und sich selbst noch im schönen Zauberspiegel ihrer Phantasie sehen.

Mittel · Nachdenklich
Theodor StormNº 011

Die Liebe, welch' lieblicher Dunst! Doch in der Ehe, da steckt die Kunst!

Kurz · Frech
Theodor StormNº 012

Das ist das Größte, was dem Menschen gegeben ist, daß es in seiner Macht steht, grenzenlos zu lieben.

Mittel · Nachdenklich
Theodor StormNº 013

Geduld und Liebe überwinden alles.

Kurz · Herzlich
Theodor StormNº 014

Die Liebe, die Liebe, welch lieblicher Dunst; doch in der Ehe, da steckt die Kunst.

Kurz · Heiter
Theodor StormNº 015

Ich bin mir meiner Seele In deiner nur bewußt, Mein Herz kann nimmer ruhen, Als nur in deiner Brust! Mein Herz kann nimmer schlagen Als nur für dich allein. Ich bin so ganz dein eigen, So ganz auf immer dein.

Mittel · Herzlich
Theodor StormNº 016

So komme, was da kommen mag solange du lebst, ist es Tag Und geht es in die Welt hinaus wo Du mir bist, bin ich zu Haus. Ich seh’ Dein liebes Angesicht ich seh’ die die Schatten der Zukunft nicht.

Mittel · Herzlich
Theodor StormNº 017

Die Schleppe will ich dir tragen, Ich will deinem Wink mich weihn, An Festen und hohen Tagen! Sollst du meine Königin sein! Deiner Launen geheimste und kühnste Gehorsam erfüll ich dir; Doch leid ich in diesem Dienste Keinen andern neben mir. Solang ich dir diene in Ehren, Gehöret dein Lächeln mein; Deinen Hofstaat will ich vermehren; Doch der Erste will ich sein.

Lang · Herzlich
Theodor StormNº 018

Vom Unglück erst zieh ab die Schuld. Was übrig ist, trag' mit Geduld.

Kurz · Nachdenklich