Der Abend graut; Herbstfeuer brennen. Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei. Kaum ist der Weg noch zu erkennen. Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen. Ein Käfer surrt an meinem Ohr vorbei. Vorbei!
Richard Dehmel.
Liebe Mutter! Du zählst sie gerne, deine dreiunddreißig Geburtstagssterne. Hier stehn sie strahlend; und daneben siehst du zwei silberne Halbmonde schweben. Das sind zwei Lampen fürs Klavier, eine von Vater, die andre von mir. Kommt nun der Abend mit müden Beinen, dann läßt du deine Monde scheinen und spielst; und wir, wir hören und träumen von den hohen himmlischen Räumen, von deinem Sternenringelreihn – Vater wacht noch, ich schlafe ein.
Lieber Vater! ich kann dir garnichts schenken, blos mein kleines Herz und alle meine Küsse, und – eins, zwei, drei, vier, fünf Haselnüsse, dabei kannst du dir was Wunderschönes denken. Du kannst dir denken, jede Nuß hat ein kleines Herz, noch kleiner als das meine; und hätte sie auch zwei kleine Beine, lief' sie auf dich zu und gäb' dir einen Kuß, einen wundervollen, herzhaften Geburtstagskuß!
Ich habe keine andre Pflicht als die der Lebenslust: so glücklich als möglich zu leben.
Lieber Vater! ich kann dir garnichts schenken, bloß mein kleines Herz und alle meine Küsse, und - eins, zwei, drei, vier, fünf Haselnüsse, dabei kannst du dir was Wunderschönes denken. Du kannst dir denken, jede Nuss hat ein kleines Herz, noch kleiner als das meine; und hätte sie auch zwei kleine Beine, lief' sie auf dich zu und gäb' dir einen Kuss, einen wundervollen, herzhaften Geburtstagskuss!
Möcht' ein Lied dem Liebsten singen, dass er tief ins Herz mir sieht; doch es will mir nicht gelingen, und mein Sinn ins Weite flieht. Ob es mir an Tönen fehle? ob zu Ihm mein Sinn gleich flieht? Aber meine ganze Seele ist ein einzig Sehnsuchtslied.
O mein Geliebter - in die Kissen bet ich nach dir, ins Firmament! O könnt ich sagen, dürft er wissen, wie meine Einsamkeit mich brennt! O Welt, wann darf ich ihn umschlingen! O lass ihn mir im Traume nahn, mich wie die Erde um ihn schwingen und seinen Sonnenkuss empfahn. Und seine Flammenkräfte trinken, ihm Flammen, Flammen wiedersprühn, oh Welt, bis wir zusammensinken in überirdischem Erglühn! O Welt des Lichtes, Welt der Wonne! O Nacht der Sehnsucht, Welt der Qual! O Traum der Erde: Sonne, Sonne! O mein Geliebter - mein Gemahl!