Jeder Tag ist ein neues Leben, jedes Erwachen und Aufstehen eine kleine Geburt, und jedes Zubettgehen und Einschlafen ein kleiner Tod.
Rainer Maria Rilke.
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.
Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest. Und lass’ Dir jeden Tag geschehen so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen sich viele Blüten schenken läßt. Sie aufzusammeln und zu sparen, das kommt dem Kind nicht in den Sinn. Es löst sie leise aus den Haaren, drin sie so gern gefangen waren, und hält den lieben jungen Jahren nach neuen seine Hände hin.
Die Katzen sind Katzen, kurz gesagt, und ihre Welt ist die der Katzen, von einem Ende zum andern.
Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine unglaubliche Summe, ich schwör's euch!
So lass uns Abschied nehmen wie zwei Sterne, durch jedes Übermaß von Nacht getrennt, das eine Nähe ist, die sich an Ferne erprobt und an dem Fernsten sich erkennt.
Irgendwo blüht die Blume des Abschieds und streut immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber, und auch noch im kommendsten Wind atmen wir Abschied.
Wie hab ich das gefühlt, was Abschied heißt. Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes grausames Etwas, das ein Schönverbundnes noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt. Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen, das, da es mich, mich rufend, gehen ließ, zurückblieb, so als wärens alle Frauen und dennoch klein und weiß und nichts als dies: Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen, ein leise Weiterwinkendes –, schon kaum erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum, von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.
Sei jedem Abschied voraus!
Weihnachtszeit! Wer spricht von Siegen? Überstehen ist alles!
Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt, und manche Tanne ahnt, wie balde sie fromm und lichterheilig wird, und lauscht hinaus, den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin, bereit - und wehrt dem Wind und wächst entgegen der einen Nacht der Herrlichkeit.
Es gibt so wunderweiße Nächte, drin alle Dinge Silber sind. Da schimmert mancher Stern so lind, als ob er fromme Hirten brächte zu einem neuen Jesuskind. Weit wie mit dichtem Demantstaube bestreut, erscheinen Flur und Flut, und in die Herzen, traumgemut, steigt ein kapellenloser Glaube, der leise seine Wunder tut.
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge zieh'n. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn. Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang, und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.
Die Kinder sind der Fortschritt selbst – vertraut dem Kinde.
Kinder sind der Fortschritt selbst - vertraut dem Kinde.
In einer guten Ehe ernennt einer den anderen zum Beschützer seines Alleinsein.
Darin besteht die Liebe: Dass sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden.
Eine gute Ehe ist die, in der der Eine den Anderen zum Schutzengel seiner Einsamkeit bestellt.
Wie ich dich liebe? Laß mich zählen wie. Ich liebe dich so tief, so hoch, so weit, als meine Seele blindlings reicht, wenn sie ihr Dasein abfühlt und die Ewigkeit. Ich liebe dich bis zu dem stillsten Stand, den jeder Tag erreicht im Lampenschein oder in Sonne. Frei, im Recht, und rein wie jene, die vom Ruhm sich abgewandt. Mit aller Leidenschaft der Leidenszeit und mit der Kindheit Kraft, die fort war, seit ich meine Heiligen nicht mehr geliebt. Mit allem Lächeln, aller Tränennot und allem Atem. Und wenn Gott es giebt, will ich dich besser lieben nach dem Tod.
Ich hab das "Ich" verlernt und weiß nur: wir. Mit der Geliebten wurde ich zu zwein; und aus uns beiden in die Welt hinein und über alles Wesen wuchs das Wir. Und weil wir Alles sind, sind wir allein.
Leise hör ich dich rufen in jedem Flüstern und Wehn. Auf lauter weißen Stufen, die meine Wünsche sich schufen, hör ich dein Zu-mir-gehn. Jetzt weißt du von dem Gefährten, und dass er dich liebt ... das macht: Es blühen in seinen Gärten die lang vom Licht gekehrten Blüten, blühn über Nacht ...
Ein Händeineinanderlegen, Ein langer Kuss auf kühlen Mund, Und dann: auf schimmerweißen Wegen Durchwandern wir den Wiesengrund. Durch leisen, weißen Blütenregen Schickt uns der Tag den ersten Kuss, – Mir ist: Wir wandeln Gott entgegen, Der durchs Gebreite kommen muss.
Das ist mein Fenster. Eben bin ich so sanft erwacht. Ich dachte, ich würde schweben. Bis wohin reicht mein Leben, und wo beginnt die Nacht? Ich könnte meinen, alles wäre noch Ich ringsum; durchsichtig wie eines Kristalles Tiefe, verdunkelt, stumm. Ich könnte auch noch die Sterne fassen in mir; so groß scheint mir mein Herz; so gerne ließ es ihn wieder los. den ich vielleicht zu lieben, vielleicht zu halten begann. Fremd, wie nie beschrieben sieht mich mein Schicksal an. Was bin ich unter diese Unendlichkeit gelegt, duftend wie eine Wiese, hin und her bewegt, rufend zugleich und bange, daß einer den Ruf vernimmt, und zum Untergange in einem Andern bestimmt.
Wie soll ich meine Seele halten, daß sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie hinheben über dich zu andern Dingen? Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas Verlorenem im Dunkel unterbringen an einer fremden stillen Stelle, die nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen. Doch alles, was uns anrührt, dich und mich, nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich, der aus zwei Saiten eine Stimme zieht. Auf welches Instrument sind wir gespannt? Und welcher Spieler hat uns in der Hand? O süßes Lied.
Daß wir erschraken, da du starbst, nein, daß dein starker Tod uns dunkel unterbrach, das Bisdahin abreißend vom Seither: das geht uns an; das einzuordnen wird die Arbeit sein, die wir mit allem tun.
Vergangen nicht, Verwandelt ist, Was war.
Die Eltern sollen uns nie das Leben lehren wollen, denn sie lehren uns ihr Leben.