SPRÜCHEVERSUM

Max Dauthendey.

7 Sprüche
Max DauthendeyNº 001

Wer eine unglückliche Liebe in Alkohol ertränken möchte, handelt töricht. Denn Alkohol konserviert.

Kurz · Frech
Max DauthendeyNº 002

Die eisige Straße mit Schienengeleisen, Die Häusermasse in steinernen Reih`n, Der Schnee in Haufen, geisterweißen, Und der Tag, der blasse, mit kurzem Schein. Der Kirchtüre Flügel sich stumm bewegen, Die Menschen wie Schatten zur Türspalte gehn; Bekreuzen die Brust, kaum daß sie sich regen, Als grüßen sie jemand, den sie nur sehn. Ein Kindlein aus Wachs, auf Moos und Watten, Umgeben von Mutter und Hirten und Stall, Umgeben vom Kommen und Gehen der Schatten, Liegt da wie im Mittelpunkte des All. Und Puppen als Könige, aus goldnen Papieren, Und Mohren bei Palmen, aus Federn gedreht, Sie kamen auf kleinen und hölzernen Tieren, Knien tausend und tausend Jahr im Gebet. Sie neigen sich vor den brennenden Kerzen; Als ob im Arm jedem ein Kindlein schlief, Siehst du sie atmen mit behutsamen Herzen Und lauschen, ob das Kind sie beim Namen rief.

Lang · Nachdenklich
Max DauthendeyNº 003

Wir gehen am Meer im tiefen Sand, Die Schritte schwer und Hand in Hand. Das Meer geht ungeheuer mit, Wir werden kleiner mit jedem Schritt. Wir werden endlich winzig klein Und treten in eine Muschel ein. Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn, Und werden stets schöner, wie die Perlen tun.

Lang · Herzlich
Max DauthendeyNº 004

Du liegst so gut in meinem Arm, So gut ruht nur in mir mein Herz. Wir schweben wie das Feuer fort Und leben nur der Küsse Leben. Einst werden Sonn' und Sterne kalt, Uns hat der Tod vergessen müssen, Und tausend, tausend Jahre alt Leben wir noch in jungen Küssen.

Lang · Herzlich
Max DauthendeyNº 005

Ich bin so glücklich von deinen Küssen, Daß alle Dinge es spüren müssen. Mein Herz in wogender Brust mir liegt, Wie sich ein Kahn im Schilfe wiegt. Und fällt auch Regen heut ohne Ende, Es regnet Blumen in meine Hände. Die Stund', die so durchs Zimmer geht, Auf keiner Uhr als Ziffer steht; Die Uhr zeigt heute keine Zeit, Sie deutet hinaus in die Ewigkeit.

Lang · Herzlich
Max DauthendeyNº 006

Der graue Tag Legt seine Wolken an meine Brust, Mein Herz steht leer. Mein Herz ist dunkel und wolkenschwer, Ich habe so lange nicht mehr geküsst, Ich küsse so gerne. Lippen und Seele warten auf dich, Du Herz der Ferne.

Mittel · Nachdenklich
Max DauthendeyNº 007

Am süßen lila Kleefeld vorbei, Zu den Tannen, den zwei, Mit der Bank inmitten, Dort zieht wie ein weicher Flötenlaut Der sanfte Fjord, Blau im Schilfgrün ausgeschnitten. Gib mir die Hand. Die beiden Tannen stehen so still, Ich will dir sagen, Was die Stille rings verschweigen will. Gib mir die Hand ... Gib mir in deiner Hand dein Herz.

Lang · Herzlich