SPRÜCHEVERSUM

Johann Wolfgang von Goethe.

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Johann Wolfgang von GoetheNº 031

Wenn je das Göttliche auf Erden erschien, so war es mit der Geburt Christi.

Kurz · Feierlich
Johann Wolfgang von GoetheNº 032

Bäume leuchtend, Bäume blendend, Überall das Süße spendend. In dem Glanze sich bewegend, Alt und junges Herz erregend – Solch ein Fest ist uns bescheret. Mancher Gaben Schmuck verehret; Staunend schaun wir auf und nieder, Hin und Her und immer wieder. Aber, Fürst, wenn dir's begegnet Und ein Abend so dich segnet, Dass als Lichter, dass als Flammen Von dir glänzten all zusammen Alles, was du ausgerichtet, Alle, die sich dir verpflichtet: Mit erhöhten Geistesblicken Fühltest herrliches Entzücken.

Lang · Feierlich
Johann Wolfgang von GoetheNº 033

Der ist am glücklichsten, er sei Ein König oder ein Geringer, dem In seinem Hause Wohl bereitet ist.

Mittel · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 034

Jeder hat sein eigen Glück unter den Händen, wie der Künstler eine rohe Materie, die er zu einer Gestalt umbilden will. Aber es ist mit dieser Kunst wie mit allen; nur die Fähigkeit dazu wird uns angeboren, sie will gelernt und sorgfältig ausgeübt sein.

Lang · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 035

Genieße, was dir das Glück gönnt, und such dur's zu erhalten.

Kurz · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 036

Man kann sehr glücklich sein, wenn man die Zustimmung der anderen nicht fordert.

Kurz · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 037

Das ist der glücklichste Mensch, der das Ende seines Lebens mit dem Anfang in Verbindung setzen kann.

Mittel · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 038

Müsst Euer Glück nicht auf die Jüngsten setzen; die angejahrten wissen Euch zu schätzen.

Kurz · Heiter
Johann Wolfgang von GoetheNº 039

Der Strauß, den ich gepflücket, Grüße dich vieltausendmal! Ich hab mich oft gebücket, Ach, wohl eintausendmal, Und ihn ans Herz gedrücket Wie hunderttausendmal!

Mittel · Herzlich
Johann Wolfgang von GoetheNº 040

Eben wenn man alt ist, muß man zeigen, daß man noch Lust hat zu leben.

Kurz · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 041

Wer die Körner wollte zählen, Die dem Stundenglas entrinnen, Würde Zeit und Ziel verfehlen, Solchem Strome nachzusinnen. Auch vergehn uns die Gedanken, Wenn wir in dein Leben schauen, Freien Geist in Erdeschranken, Festes Handeln und Vertrauen. So entrinnen jeder Stunde Fügsam glückliche Geschäfte. Segen dir von Mund zu Munde! Neuen Mut und frische Kräfte!

Lang · Feierlich
Johann Wolfgang von GoetheNº 042

Lerne alt zu werden mit einem jungen Herzen. Das ist die Kunst.

Kurz · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 043

Es ist nicht genug, zu wissen, man muß es auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muß es auch tun.

Mittel · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 044

Sein Jahrhundert kann man nicht verändern, aber man kann sich dagegenstellen und glückliche Wirkungen vorbereiten.

Kurz · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 045

Wir wollen einander nicht aufs ewige Leben vertrösten. Hier noch müssen wir glücklich sein.,.

Kurz · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 046

Je älter man wird, desto mehr schätzt man Naturgaben, weil sie durch nichts können angeschafft werden.

Mittel · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 047

Vieles wünscht sich der Mensch, und doch bedarf er nur wenig.

Kurz · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 048

Ein jeder lernt nur, was er lernen kann Doch der den Augenblick ergreift, Das ist der rechte Mann.

Mittel · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 049

Alter macht nicht kindisch, wie man spricht, Es findet uns nur noch als wahre Kinder.

Kurz · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 050

Obgleich kein Gruß, obgleich kein Brief von mir So lang dir kömmt, lass keinen Zweifel doch Ins Herz, als wär’ die Zärtlichkeit des Sohns, Die ich dir schuldig bin, aus meiner Brust Entwichen. Nein, so wenig als der Fels, Der tief im Fluss vor ew'gem Anker liegt, Aus seiner Stätte weicht, obgleich die Flut Mit stürm’schen Wellen bald, mit sanften bald Darüber fließt und ihn dem Aug’ entreißt, So wenig weicht die Zärtlichkeit für dich Aus meiner Brust, obgleich des Lebens Strom Vom Schmerz gepeitscht bald stürmend drüber fließt, Und von der Freude bald gestreichelt still Sie deckt und sie verhindert, dass sie nicht Ihr Haupt der Sonne zeigt und ringsumher Zurückgeworfne Strahlen trägt und dir Bei jedem Blicke zeigt, wie dich dein Sohn verehrt.

Lang · Herzlich
Johann Wolfgang von GoetheNº 051

Das Alter Das Alter ist ein höflich' Mann: Einmal übers andre klopft er an; Aber nun sagt niemand: Herein! Und vor der Türe will er nicht sein. Da klinkt er auf, tritt ein so schnell, Und nun heißt's, er sei ein grober Gesell.

Lang · Frech
Johann Wolfgang von GoetheNº 052

Die Jahre Die Jahre sind allerliebste Leut': Sie brachten gestern, sie bringen heut, Und so verbringen wir Jüngern eben Das allerliebste Schlaraffenleben.

Mittel · Heiter
Johann Wolfgang von GoetheNº 053

Im Busen eines Freundes widerhallend verliert sich nach und nach des Schmerzes Ton.

Kurz · Tröstend
Johann Wolfgang von GoetheNº 054

Mit einem kritischen Freund an der Seite kommt man immer schneller vom Fleck.

Kurz · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 055

Das sicherste Mittel, ein freundschaftliches Verhältnis zu hegen und zu erhalten, finde ich darin, daß man sich wechselweise mitteile, was man tut. Denn die Menschen treffen viel mehr zusammen in dem, was sie tun, als in dem, was sie denken.

Mittel · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 056

Es kommt nicht darauf an, daß Freunde zusammenkommen, sondern darauf, daß sie übereinstimmen.

Kurz · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 057

Ältere Bekanntschaften und Freundschaften haben vor neuen hauptsächlich das voraus, daß man sich einander schon viel verziehen hat.

Mittel · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 058

Denn wir können die Kinder nach unserem Sinne nicht formen; So wie Gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben.

Mittel · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 059

Was sogar die Frauen an uns ungebildet zurücklassen, das bilden die Kinder aus, wenn wir uns mit ihnen abgeben.

Mittel · Nachdenklich
Johann Wolfgang von GoetheNº 060

Der Mensch kommt moraliter ebenso nackt auf die Welt als physice. Daher ist seine Seele in der Jugend so empfindlich gegen die äußere Witterung.

Mittel · Nachdenklich