SPRÜCHEVERSUM

Ferdinand von Saar.

3 Sprüche
Ferdinand von SaarNº 001

Das aber ist des Alters Schöne, dass es die Saiten reiner stimmt, dass es der Lust die grellen Töne, dem Schmerz den herbsten Stachel nimmt.

Mittel · Nachdenklich
Ferdinand von SaarNº 002

Wieder mit Flügeln, aus Sternen gewoben, Senkst du herab dich, o heilige Nacht; Was durch Jahrhunderte alles zerstoben – Du noch bewahrst deine leuchtende Pracht. Ging auch der Welt schon der Heiland verloren, Der sich dem Dunkel der Zeiten entrang, Wird er doch immer aufs neue geboren, Nahst du, Geweihte, dem irdischen Drang. Selig durchschauernd kindliche Herzen, Bist du des Glaubens süßester Rest; Fröhlich begangen bei flammenden Kerzen, Bist du das schönste, das menschlichste Fest. Leerend das Füllhorn beglückender Liebe, Schwebst von Geschlecht zu Geschlecht du vertraut – Wo ist die Brust, die verschlossen dir bliebe, Nicht dich begrüßte mit innigstem Laut? Und so klingt heut noch das Wort von der Lippe, Das einst in Bethlehem preisend erklang, Strahlet noch immer die lieblichste Krippe – Tönt aus der Ferne der Hirten Gesang ..... Was auch im Sturme der Zeiten zerstoben – Senke herab dich in ewiger Pracht, Leuchtende du, aus Sternen gewoben, Frohe, harzduftende, heilige Nacht!

Lang · Feierlich
Ferdinand von SaarNº 003

Das aber ist des Alters Schöne, daß es die Saiten reiner stimmt, daß es der Lust die grellen Töne, dem Schmerz den herbsten Stachel nimmt. Ermessen läßt sich und verstehen die eigne mit der fremden Schuld, und wie auch rings die Dinge gehen, du lernst dich fassen in Geduld. Die Ruhe kommt erfüllten Strebens, es schwindet des verfehlten Pein - und also wird der Rest des Lebens ein sanftes Rückerinnern sein.

Lang · Nachdenklich