Die Zeit ist wie ein Bild vom Mosaik, zu nah beschaut, verwirrt es nur den Blick: Willst Du des Ganzen Art und Sinn verstehn, so musst Du's, Freund, aus rechter Ferne sehn.
Emanuel Geibel.
Sieh, das ist es, was auf Erden Jung dich hält zu jeder Frist, Daß du ewig bleibst im Werden, Wie die Welt im Wandel ist.
Die Zeit ist wie ein Bild von Mosaik, zu nah beschaut verwirrt es nur den Blick; willst du des Ganzen Art und Sinn verstehn, so mußt du's, Freund, aus rechter Ferne sehn.
Klug ist, wer stets zur rechten Stunde kommt, doch klüger, wer zu gehen weiß, wann es frommt.
Gesegnet sei Dir beides, Schmerz und Lust, und jedes Werk, das Du vollenden musst; doch Gott bewahre Dich zu Deinem Heile vor Krankheit, Missmut, Langeweile
Es ist das Glück ein flüchtig Ding, Und war's zu allen Tagen; Und jagtest du um der Erde Ring, Du möchtest es nicht erjagen.
Sieh, das ist es, was auf Erden Jung dich hält zu jeder Frist, Dass du ewig bleibst im Werden, Wie die Welt im Wandeln ist.
Das ist die rechte Ehe, wo Zweie sich geeint, durch alles Glück und Wehe zu pilgern treu vereint.
Der eine Stab des andern, und liebe Last zugleich, gemeinsam Rast und Wandern, und Ziel das Himmelreich.
Ja, die Liebe gibt uns Leben Und das Leben gibt uns Leid, Aber Leid und Liebe geben Uns des Lebens Seligkeit.
Hinaus ins Weite! Frühling kommt bald. Durch Schneegebreite Zum Fichtenwald! An stürzenden Bächen Schwindelnde Bahn, Durch sausende Wipfel Zum Fels, zum Gipfel Hinauf, hinan! Sauge, durstiger Wind, nur, sauge Mir die stürzende Träne vom Auge, Leg' an die brennende Stirne dich an! Ach, nach dem Trauern, Dem dumpfen Schmerz Wie löst dies Schauern Selig mein Herz! O rastlos Drängen, Willst du gewaltsam Die Brust zersprengen? Ich kenne dich - Liebe, Liebe, du kommst unaufhaltsam Noch einmal, Herrliche, über mich!
Du bist so still, so sanft, so sinnig, Und schau' ich dir in's Angesicht, Da leuchtet mir verständnißinnig Der dunkeln Augen frommes Licht. Nicht Worte giebst du dem Gefühle, Du redest nicht, du lächelst nur; So lächelt in des Abends Kühle Der lichte Mond auf Wald und Flur. In Traumesdämmerung allmählich Zerrinnt die ganze Seele mir, Und nur das Eine fühl' ich selig, Daß ich vereinigt bin mit dir.
Wohl lag ich einst in Gram und Schmerz, Da weint' ich Nacht und Tag; Nun wein' ich wieder, weil mein Herz Sein Glück nicht fassen mag. Mir ist's als trüg' ich in der Brust Das ganze Himmelreich - O höchstes Leid, o höchste Lust, Wie seid ihr euch so gleich!