Du warst meine Weggenossin Zwei Jährlein oder drei, Dann kamen die Abschiedsstunden, Die schlugen uns schwere Wunden, Und Alles war vorbei. Kehr müd ich nun nach Hause Aus Arbeit, Schweiß und Dorn, Hör ich durch öde Hallen Dumpf meinen Schritt erschallen, Ingrimmig klirrt mein Sporn. Tat ich dir denn so Leides, Verließest du mein Schloß, Weil meiner Liebe Gedanken, Im Meer des Alltags versanken, Das trostlos uns umfloß? Und ruf ich deinen Namen, Der hohle Widerklang Gibt meinem bebenden Munde Von höhnender Leere Kunde Auf meinem Schattengang. Des Lebens Bäckerfäusten Entgeh ich nur mit dir. Pack schnell deine Kisten und Kasten, Keine Stunde darfst du rasten, Bis du wieder bei mir.
Detlev von Liliencron.
3 Sprüche
Wenn sanft du mir im Arme schliefst, Ich deinen Atem hören konnte, Im Traum du meinen Namen riefst, Um deinen Mund ein Lächeln sonnte - Glückes genug. Und wenn nach heißem, ernstem Tag Du mir verscheuchtest schwere Sorgen, Wenn ich an deinem Herzen lag Und nicht mehr dachte an ein Morgen - Glückes genug.
Was ist die Liebe? Ist's ein heller Stern, Der plötzlich leuchtet, den wir nie geschaut? Ist's ein Erinnern, das unnennbar fern Uns dünkt und nun in unserer Seele taut, Jäh aus der Schale springt und einen Kern Uns zeigt, so voller Süße, daß uns graut? Ich bin dir gut. Du bist mir gut. Nichts weiter. Dann klimmen wir hinauf die Himmelsleiter.